Privathotel in Ulm hört bei Expedia auf

Privathotel in Ulm hört bei Expedia auf

Ein Gast bucht für sieben Tage, reist aber nach zwei Tagen wieder ab. Muss das Hotel deswegen das gezahlte Geld für den kompletten Aufenthalt zurückerstatten? Auch wenn der Gast immerhin zwei Tage im Haus war und währenddessen dort die Leistung voll in Anspruch genommen hat? Nein, findet Florian Röhrig, Geschäftsführer im Ulmer Münster Hotel. Der beteiligte Online-Mittler – die Expedia Group – war da aber offenbar anderer Meinung. „Expedia will von uns nun den kompletten Betrag zurückhaben, weil der Gast hier wegen Corona seine Termine nicht wahrnehmen konnte“, berichtet Röhrig derahgz . Gebucht war das Zimmer vom 27. Februar bis 5. März 2020, und das zu einer nicht stornierbaren Rate.

Der Privathotelier zieht daher nun Konsequenzen. Er wird künftig auf Expedia als Vertriebspartner verzichten, zumal er mit dieser Online Travel Agency (OTA) schon mehrfach Unstimmigkeiten hatte. „So geht man nicht mit seinen ‚sogenannten Partnern‘ um.“ Er findet auch: „Ein ausgefallener Zug oder Flug entbindet nicht von der kostenfreien Stornierung bzw. Erstattung einer längst bezahlten Übernachtung.“ Röhrig geht es dabei nicht um die wenigen Euro Umsatzverlust, die er durch eine einzelne Buchung erlitten hat. „Die würden uns im Zweifelsfall natürlich nicht vor einer Insolvenz retten, aber auch da geht es ums Prinzip“, so Röhrig. „Ich mache definitiv ohne Expedia weiter.“

Werden sich die Betten denn trotzdem füllen? „Expedia macht bei uns nur 5 Prozent aller Buchungen aus“, berichtet der Hotelier. Er sieht deswegen keine Gefahr eines spürbaren Belegungsrückgangs, zumal er vor drei Jahren auch schon bei HRS ausgestiegen ist – aus ähnlichen Gründen. Und trotz allem betrug die Auslastung im Münster Hotel in den vergangenen Jahren – bis vor Corona – konstant 85 Prozent. Den größten Anteil machen, mit etwa 65 Prozent, die Direktbuchungen aus. Wie man das als Stadthotel ohne große Marke schafft? Florian Röhrig, der im Mövenpick Hotel Neu-Ulm eine Ausbildung zum Hotelfachmann absolviert hat, und den lokalen Markt kennt, hatte von Anfang an Kooperationen mit Firmen in der Umgebung abgeschlossen, die ihre Mitarbeiter und Partner über einen Promocode direkt in dem zentral gelegenen Hotel einbuchen. „Natürlich sind 22 Zimmer auch schneller voll als beispielsweise ein Hotel mit 100 Zimmern“, gibt Röhrig zu bedenken. Dennoch hat sich sein Netzwerk in der Stadt bezahlt gemacht. Außer den Firmen gibt er aber auch den Individualreisenden gute Gründe, um direkt beim Hotel zu buchen: „Wir schlagen die Provisionen bei den Portalen 1:1 auf unseren Zimmerpreis auf.“

Was sagt Expedia zu diesen Vorwürfen? Wir haben das Online-Reisebüro um ein Statement dazu gebeten. Es beruft sich darin auf „höhere Gewalt“. Speziell für Buchungen, die vor dem 20. März getätigt worden sind, sei den Hotelpartnern die Option gegeben worden, entweder die Rate bei nicht stornierbaren Buchungen aus Kulanz zurückzuerstatten oder Gutscheine für künftige Aufenthalte auszugeben. Diese Möglichkeiten sollen zudem auch für Buchungen gelten, deren Aufenthalt im Juni beginnt.